Musikalische Stadtführung mit Live-Musik

Sonntag, 19.09.2021 · 13.00-16.00 · St. Rochus · Bickendorf

„Nicht vergessen!“ – eine Radtour an Orte mahnenden Erinnerns mit Livemusik

WERKE VON ZEITGENÖSSISCHEN KOMPONISTEN UND JÜDISCHEN KOMPONISTEN

321: dieses Jahresdatum bekundet den offiziell belegten Beginn jüdischen Lebens in Deutschlands. Teile der jahrhundertelangen Geschichte sind extrem wechselvoll verlaufen und haben auch markante Spuren in Bickendorf hinterlassen.

Im Nachhinein ist man immer schlauer – stimmt das wirklich ?!

Aus dem Gedenken historischer Wendepunkte der lokalen und weltpolitischen Geschichte heraus, versucht das Projekt „Musikalische Stadtführung: Nicht vergessen!“ wichtige Themen zu beleuchten und Fragen der Verantwortung auch für die Zukunft zu beschreiben.

Die Tour führt an weitgehend unbekannte Orte im Westen Kölns, die aber von besonderer Bedeutung sind für das Erinnern. Hier starteten im 1. Weltkrieg die ersten Zeppeline ihr Bombardement belgischer Städte, hier begannen in einem der größten „Zigeunerlager“ der Stadt die Deportationen in die Vernichtungslager des 2. Weltkrieges, hier gibt es bedeutende Denkmäler für die Opfer der GESTAPO und Zwangsarbeiter im 2. Weltkrieg, auch ein „Denkmal der jüdischen Frontsoldaten“ aus dem 1. Weltkrieg würde man hier eher nicht vermuten …

An verschiedenen Stationen erwarten die Teilnehmer Solisten und Ensembles der Rochus-Musikschule mit einer passenden Stückeauswahl.

www.rochusmusikschule.de

Start/Ziel: St. Rochus Tourlänge: 12,0 km

Schwierigkeitsgrad: Leichte Tour mit einer kurzen Strecke durch städtisches Gebiet. Überwiegend Fahrradwege oder kleinere Straßen. An verschiedenen Stellen (Einbahnstraßen, Westfriedhof) muss geschoben werden.

Etappen: Kirche St. Rochus, Altes Hochkreuz, Haus der Familie Herz, Stolpersteine, ehemaliges Internierungslager am Sportplatz „Schwarz-Weiß“, Westfriedhof, Jüdischer Friedhof, Fort IV, Butzweiler Hof

Thomas van Nies (Stadtführung)
Solisten und Ensembles der Rochus-Musikschule Aron Proujanski (Tenor)
Rochuschor
Wilfried Kaets (Orgel)
Norbert Krämer (Schlagwerk)
L: Wilfried Kaets

Eintritt: 7€ / Person
(begrenzte Teilnehmerzahl; VVK wird empfohlen)

Anmeldung unter: www.rochuskirche.de/termine/projekte/musikalische_stadtfuehrung3

Es gilt das 3-G-Hygienekonzept (wird beim Zutritt überprüft)

Ein eigenes Fahrrad und wetterangepasste Kleidung ist notwendig, bitte einem Friedhofsbesuch angemessen

Empfohlen für Interessierte ab ca. 14 Jahren.

© Karsten Mühlhaus

Details und Stationen der Radtour

Charakteristik: Rundtour, hauptsächlich durch städtisches Gebiet. Urbane Tour, die die Ereignisse und auch Greueltaten in der Zeit des ersten und zweiten Weltkriegs nachgeht und diese Orte „er-fahrbar“ werden läßt. 

Ausgedacht und konzipiert von Wilfried Kaets.

0,1km St. Rochus Bickendorf 

Kirche St. Rochus
Die Rochuskirche wurde 1847-49 nach Plänen des Architekten Ernst Friedrich Zwirner, der die bauliche Vollendung des Kölner Doms wiederaufgenommen und zum Abschluss gebracht hat, im neuromanischen Stil errichtet. In den Jahren 1880 bis 1885 wurde der Bau um Querschiff, Chor und Westturm erweitert. Der 2. Weltkrieg hat auch St. Rochus in Schutt und Asche sinken lassen. In den Jahren 1942 und 1944 wurde die Kirche vom Bomben getroffen und brannte 1944 völlig aus. Nach dem Krieg wurde die Kirche wiedererrichtet, das Langhaus 1949 wiederaufgebaut; Die heutige Innenraumausstattung geht auf das Jahr 1966 zurück.
Heute empfängt den eintretenden Besucher ein freundlicher heller Raum. Klare Formen gliedern die inneren Wände. Vierungspfeiler und Gestaltung der Apsis lassen den ehemaligen Reichtum des Inneren der Kirche erahnen. Seit mehr als 20 Jahren ist diese Kirche auch Raum für zahlreiche kulturelle, musikalische und liturgische Akzente.

Besonderheiten: Die Kirche ist tagsüber von 10 – 18 Uhr geöffnet (Glastüren zum eigentlichen Mittelschiff geschlossen, offener Andachtsraum)

Weitere Informationen: www.rochuskirche.de 

0,6km Der alte Friedhof Bickendorf 

Altes Hochkreuz
Der Friedhof wurde 1854 eröffnet, nachdem der alte Bickendorfer Friedhof am heutigen Alpener Platz geschlossen worden war. Bis 1945 wurde auf dem Friedhof an der Feltenstraße bestattet. An diese Zeit erinnern noch heute das Hochkreuz und verschiedene Grabsteine. Die fünf alten Grabkreuze sind Zeugen der uralten Friedhofsgeschichte Bickendorfs. 

Besonderheiten: Im heutigen Landschaftsschutzgebiet stehen viele alte Bäume, die als Naturdenkmäler besonderen Schutz benötigen. Auf dem ehemaligen Friedhofsgelände leben z.B. Bussarde, Spechte, Eichhörnchen und Fledermäuse.

1,5km Häuschensweg 18, Ecke Ahornweg

Haus der Familie Herz
Bei dem seit Jahren dem Zerfall preisgegebenen Haus handelt es sich um ein typisches Landarbeiterhäuschen aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Spätestens 1910 zog die jüdische Familie Herz in das kleine Haus ein. Albert Herz war Metallhändler und lebte mit seiner Frau Mathilde Herz und ihrem Sohn Karl, der Schwiegertochter Marga und dem Enkel Harry zusammen. Alle fünf wurde 1941 nach Litzmannstadt (Lodz) deportiert und ermordet. Außer der Dreigenerationenfamilie lebte seit Sommer 1940 Carl Frankenstein mit im Haus. Aufgrund der Verfolgung musste er seine Schuhgroßhandlung aufgeben und von Juni 1940 bis Juni 1941 als Zwangsarbeiter bei der Firma Glanzstoff arbeiten. Nur Benno Herz, dem 2. Sohn von Albert und Mathilde Herz gelang die Flucht in die USA, wo er 1968 verstarb.

Besonderheiten: Seit März 2011 erinnern sechs Stolpersteine in der Einfahrt zum Grundstück an die Ermordeten. Der Erhalt des Häuschens ist für die Erinnerung an den NS-Terror in Bickendorf wichtig.

1,6km Häuschensweg 28

Ermordete jüdische Mitbürger
Nur wenige Meter entfernt finden sich weitere von Gunther Demnig verlegte Stolpersteine. Sie sind die letzten Erinnerungen an Menschen, die durch den unmenschlichen Nazi-Terror verschleppt und ermordet wurden. Ihre Geschichte und ihr Lebenszeugnis wissen wir nicht, das alte Wohnhaus existiert nicht mehr.

Weitere Informationen: www.stolpersteine.eu

2,3km Venloer Str.

Gedenktafel des Internierungslagers
Die Tafel erinnert an ein Verbrechen an über 1000 Sinti und Roma, das hier seinen Ausgang nahm. Von 1935 bis 1940 befand sich auf dem ehemaligen „Schwarz-Weiß-Sportplatz“. das 1. kommunale „Zigeunerlager“ im Deutschen Reich. Hier lebten hinter einem Stacheldrahtzaun bis zu 500 Sinti und Roma unter menschenunwürdigen Zuständen, von einem SS-Lagerkommandanten und Schutzpolizisten bewacht. Immer wieder waren sie Razzien und „rassenbiologischen“ Untersuchungen ausgesetzt. 
Am 16. Mai 1940 wurden ca. 400 Lagerinsassen von Schutzpolizisten zusammengetrieben und auf LKW in die Deutzer Messehallen gebracht, wo sie entlaust, kahlgeschoren und mit Nummern tätowiert wurden. Mit über 600 anderen Roma und Sinti wurden sie in die Arbeitslager im Osten deportiert. Viele starben, nur wenige kehrten nach Köln zurück. Die Stadtverwaltung wies den Überlebenden das Gelände des ehemaligen Internierungslagers zu. Auf Drängen einer Bickendorfer Bürgerinitiative, die das „Zigeunerlager“ störte, wurden die Roma 1958 in Köln-Roggendorf in ausrangierten Eisenbahnwaggons untergebracht. Später bekamen die Roma eigene Wohnungen zugewiesen.

3,3km Der Westfriedhof Venloer Str.

Westfriedhof
Hier müssen wir unser Fahrrad schieben, nicht nur, weil es die Ordnung verlangt, sondern um die Besonderheit des Ortes zu würdigen. Der Westfriedhof gehört mit einer Fläche von 52 Ha. zu den fünf großen Kölner Friedhöfen. Er war als Nachfolgefriedhof für Melaten von Johannes Ibach und Karl Wach entworfen worden und wurde 1917 eingeweiht. Kennzeichnend für ihn sind ein für die größeren Kölner Friedhöfe typischen Parkcharakter mit breiten Alleen und reichhaltiger Baumbepflanzung. Geradezu monumental ist die Eingangsallee von der Venloer-Straße zur 1921 errichteten Trauerhalle, an die sich das erste Krematorium Kölns von 1937 anschließt. 

Besonderheiten: Der Friedhof beherbergt eine Reihe großer und sehenswerter Grabstätten von Roma-Familien, an denen auch unsere Tour entlangführt. Obwohl sie hier Schreckliches erfahren haben, sehen sie doch in Köln ihre Heimat. 

3,9km Soldatenfriedhof
Der Westfriedhof beherbergt auch ein großes Gräberfeld mit Gefallenen des 2. Weltkriegs, das nach wenigen 100 Metern erreicht wird. Dieser eindringliche Ort mahnt zu Frieden und zur Besonnenheit und daran, dass es andere und schreckliche Zeiten gab. So sind neben den gefallenen Soldaten auch über 5.000 Bombenopfer hier bestattet worden. Es stimmt es nachdenklich und traurig zugleich, dass schon an der Errichtung des Westfriedhofs auch russische Kriegsgefangene des 1. Weltkriegs beteiligt waren.

4,5km Gräber der durch die GESTAPO ermordeten Menschen
Hinter dem Gefallenenfriedhof folgt das vielleicht dunkelste Kapitel, das der Friedhof beherbergt, die Gräberfläche der von der GESTAPO ermordeten Menschen, die dem NS-Terror zwischen 1939 bis 1945 zum Opfer fielen. Durch einen offenen Gedenkraum mit einer eindrucksvollen Pieta von Karl Lehmann wird dieser abgelegene Teil des Friedhofs erreicht. Neben vielen Ermordeten verschiedener Nationen werden auch 788 Opfer der GESTAPO genannt. Die Bronzeplastik „Jünglingen im Feuerofen“ von Herbert Calleen wurde für die ca. 1.000 Gestapoopfer aufgestellt, darunter auch die sog. Kölner Edelweißpiraten, die hier verscharrt wurden. Sie verdeutlicht die Bedrückung und die Todesangst der hier umgebrachten Menschen.

Besonderheiten: Eine Gedenktafel erinnert an 788 durch die GESTAPO ermordeten Opfer, die namentlich nicht erwähnt werden.

5,4km Jüdischer Friedhof
Fast zeitgleich mit dem Westfriedhof wurde der jüdische Friedhof angelegt und 1918 eröffnet. Er ist bis heute Begräbnisstätte der jüdischen Gemeinde Kölns und bietet neben einer sehenswerten Grabkultur die Gräber bekannten und berühmter Zeitgenossen wie das des Kaufhof Gründers Leonard Tietz, des Soziologen Alphons Silbermann oder der Ärztin Lilli Jahn. 
Beeindruckend ist die große neoklassizistische Trauerhalle mit ihrem hebräischen Schriftzug („Der Gerechte lebt in seinem Glauben“). Errichtet wurde sie 1930 von Robert Stern, der kurze Zeit später vor der Verfolgung durch den nationalsozialistischen Terror in die USA flüchten musste. Die strenge Geometrie der Trauerhalle setzt sich landschaftsarchitektonisch in der symmetrischen Ausrichtung des Friedhofgeländes fort. Ihr gegenüber liegt eine Gedenkstele, die den Ort markiert, an dem die Ritualgegenstände Davidstern, Menora und Torarolle aus den Kölner Synagogen heimlich vergraben wurden, den nationalsozialistischen Wahn „überlebten“ und dort 1979 wiederentdeckt wurden. An gleicher Stelle wird an die Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns der jüdischen Gemeinde Köln gedacht und die unfassbare Zahl von über 11.000 Menschen genannt.

Besonderheiten: Eine Besonderheit ist das Ehrenmal des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten aus dem ersten Weltkrieg, das als monumentales, noch im Jahr 1934 von Robert Stern realisiertes pyramidenförmiges Mahnmal überrascht. Es erinnert an die jüdischen deutschen Soldaten, die im ersten Weltkrieg gefallen waren.

6,2km Fort IV
Das Fort IV in Bocklemünd am Freimersdorfer Weg gelegen gehört zu den großen Forts in Köln.
Gebaut wurde es im Zeitraum März 1874–1876. Als Artilleriefort angelegt wurde es schon bald als Infanterieverteidigungsanlage umgebaut. Ab 1909 wurde die Anlage von einem Luftschiffbataillon des nahegelegenen neuen Flugplatzes Butzweiler Hof belegt. Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Anlage geschleift und anschließend als Sportgelände und als Gartenbauanlage genutzt. Ab 1939 wieder in militärischer Nutzung wurde hier während des 2. Weltkrieges die Flugabwehrzentrale für den Raum Köln untergebracht. In der Nachkriegszeit wurde das Gebäude in unterschiedlichsten Formen genutzt u.a. als Champingnonzuchtanlage oder für Geflügelzucht, aber auch als Sportanlage. 

9,7km Butzweilerhof
Der Butzweilerhof wurde 1911 errichtet und war der erste große Flughafen Kölns. Im Vordergrund stand die militärische Nutzung. Mit dem Einzug einer kaiserlichen Fliegerstation und Flugschule ab 1912 unter dem Gedanken der „Westfront“ wurde der Flugplatz ausgebaut und nur noch militärisch genutzt. Fliegergrößen wie der „rote Baron“ Manfred von Richthofen, Gerhard Fieseler oder Werner Voss wurden hier ausgebildet. Nach dem ersten Weltkrieg nutzte das britische Militär den Flugplatz bis er ab 1926 zu einem modernen zivilen Verkehrsflugplatz ausgebaut wurde und in den 30er Jahren als „Luftkreuz des Westens“ nach Berlin-Tempelhof der zweitgrößte deutsche Flughafen war. Mit Kriegsbeginn wurden an 1940 von hier aus die ersten Angriffe gegen westliche Ziele eingeleitet. Nach dem Krieg wurde er durch Besatzungsstreitkräfte und später durch die Bundeswehr genutzt. Die zivile Luftfahrt fand ab 1957 auf dem neuen Flughafen Köln-Bonn in Wahn statt. 1995 wurde der Flugbetrieb auf dem Butzweilerhof eingestellt.

Bild oben: Trinitatiskirche Köln

Zu ihrem 150. Geburtstag hat die Trinitatiskirche Köln ein besonderes Geschenk bekommen: eine Orgel der renommierten Bonner Orgelbaufirma Klais. Mit ihren 44 Registern und 3.121 Pfeifen bietet die Klais-Orgel opus 1643 eine Fülle verschiedener Klänge.
Adresse: Filzengraben 4, 50676 Köln.